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Rezensionen zur Lachmesse 2009:

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LVZ vom 17.10.09
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LVZ vom 24.10.09
LVZ vom 26.10.09
Zitate - LVZ vom 27.10.09




Lachmesse-Preis Löwenzahn fürs

Düsseldorfer Kom(m)ödchen

Resümee

Leipziger Volkszeitung vom 27. Oktober 2009:

Aussicht auf Pointen-Boni

Von Mark Daniel



Erfolgreiche Lachmesse trotzt der Krise / Kabarettisten arbeiten das Superwahljahr pointiert auf

Es ist nicht alles schlecht: Die am Sonntag beendete 19. Ausgabe der Leipziger Lachmesse, Deutschlands größtem internationalen Kabarett- und Kleinkunstfestival, erwies sich in der Zuschauerbilanz als krisenfest und auf künstlerischem Level als hochkarätiger, spannender Querschnitt durch die Spielarten.
Ein Sturm fegte über Leipzig: Bei der Jürgen-Hart-Matinee in der Oper schickte Spitzenpersonal Geistesblitze und Pointenhagel in die voll besetzten Sesselreihen – Thomas Freitag, Josef Hader, Ottfried Fischer und Mathias Tretter demonstrierten am Sonntag zwischen den humorigen Intermezzi der Losen Skiffle Gemeinschaft, wie gut das Verschränken von Unterhaltung mit Satire funktionieren kann. 
Showdown dann am Spätnachmittag und Abend an selber ausverkaufter Stelle – die Gala mit vier äußerst unterschiedlichen Männern als „Perlen aus Dresden“. Tom Pauls präsentierte Leipziger Abstrusitäten und erinnerte sich als Ilse Bähnert an die schöne Optik des Flaggens zum 1. Mai. Der erstaunlicherweise als „der Neue“ wahrgenommene Olaf Schubert verfitzte sich beim Referat über den Geschlechterkampf wunderbar in Schmeicheleien ans Publikum – die Frauen hätten sich direkt „hübsch gemacht, im Rahmen ihrer Möglichkeiten“.
Während Schubert auch mit lässigem Hüftschwung brillierte, fiel dieser nur bedingt in Uwe Steimles Kompetenzbereich. Der versuchte als Günther Zieschong und in natura lieber, beharrlich die bei ihm wohl seit 20 Jahren klaffende Heimat-Wunde aufzureißen, streng „uns“ von „denen“ unterscheidend. Olaf Böhmes „betrunkener Sachse“ plauderte von der heimischen Tortur dank „Muddi“ und begrüßte den farbig unterlegten Vordruck zur Steuererklärung. Vier Spezialisten, viele Themenfelder, lautes Gelächter und Jubel – ein würdiges Finale.
Bei den Academixern bewiesen Sebastian Krämer und Marco Tschirpke am selben Abend: Großartig am Klavier sind beide. Ansonsten unterscheiden sich die Kabarett-Chansonniers in ihrem Doppel „Ich ’n Lied – du ’n Lied“ deutlich, ergänzen sich nach staksigem Beginn perfekt. Tschirpke mag’s kompakt, jagt seine Harmonien über oft nur zwei Verse. Einen für die falsche Fährte, den anderen für die Pointe. Krämer, der Wortreiche, ergeht sich in Poesie, die auch ohne Pointe trägt, oder in urkomischer Boshaftigkeit, die fast an Georg Kreisler erinnert.
Das 19. Humor- und Satire-Festival, zu dem erstmals eine live übertragene MDR-Gala gehörte, hat eine Menge tiefer Eindrücke zwischen Geist und Gaudi hinterlassen. Highlights vom immer wieder überraschenden Chamäleon Christoph Sieber, dem großartigen Josef Hader, dem erst 30-jährigen Parodie-As Florian Schroeder oder dem bayerischen Griesgram Matthias Egersdörfer. Heftig feiern ließ sich Christian „Fonsi“ Springer, blendend aufgelegt war das Duo Venske/Busse. Eindrucksvoll und witzig spiegelte das Düsseldorfer Kom(m)ödchen die gesamtdeutsche Lage, exemplarisch erörterte anhand des wirren Treibens in einem Wohnhaus. Dem gegenüber stehen wenige Schwachpunkte wie das pietätarme Proleten-Gefasel des Parkbankduos oder eine erschreckend rückwärts gewandte Magdeburger Zwickmühle.
Arnulf Eichhorn atmete gestern aus zwei Gründen durch. Zum einen, weil der Lachmesse-Chef nach dem Elf-Tage-Spektakel nun Schlaf- und Kraftdefizit ausgleichen kann. Zum anderen, weil sich seine Sorge im Vorfeld, die alles verwirbelnde Krise könne sich auf sein Festival niederschlagen, in Erleichterung auflöste. Die großen, die wichtigen, die spannenden Gäste spielten in ausverkauften Sälen, auch die meisten anderen der rund 90 Veranstaltungen mit etwa 160 Künstlern waren sehr gut bis ordentlich besucht. „Sowohl mit Zahlen wie auch der Qualität der Programme bin ich sehr zufrieden“, resümiert er. In seiner Zuschauerbilanz, die sämtliche Lachmesse-Veranstaltungen außerhalb der Oktober-Ballung einschließt, kommt Eichhorn auf 24 000 – die Stabilität der Vorjahre setzt sich fort.
Zwangsläufig stellte die politisch-satirische Elefantenrunde den Fokus auf die Resultate des Superwahljahres scharf, vereint durch eine gewisse Heiterkeit und frohlockendes Feixen. Der bemüht eloquente Unsympath Guido Westerwelle in Regierungsverantwortung – ein Kabarettisten-Glücksfall. Zumindest diese Branche hält Vollbeschäftigung für machbar, dank fetter Pointen-Boni. 
Dem zufriedenen Blick zurück folgt bald schon die Planung fürs nächste Jahr. 2010 wird die Lachmesse stolze 20, und Arnulf Eichhorn formuliert ein ehrgeiziges Ziel: möglichst viele der bisherigen Preisträger zwischen dem 14. und 24. Oktober nach Leipzig zu holen. Größen wie Georg Schramm und Bruno Jonas haben trotz voller Terminkalender bereits zugesagt. Der 19. Name auf der Löwenzahn-Liste wird in der ersten November-Hälfte bekanntgegeben. Mitglieder des Lachmesse-Vereins, Kulturjournalisten und die sieben Mitglieder der LVZ-Leserjury stimmen in diesen Tagen ab – die garantiert allererste und zugleich letzte Wahl in diesem Jahr.

Mark Daniel, dir, twi

 




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