Das sagt die Lachmesse-Jury

Ehring, Kroymann, Perlinger

Die LPJ hat getagt und entschieden

Nach zähen Verhandlungen in freundlicher und ebenso witz- wie anekdotengeschwängerter Atmosphäre hat die Lachmesse-Publikumsjury (LPJ) unverzüglich ihre Wahl getroffen. Drei lobende Erwähnungen werden für den 2021er Jahrgang – wenn auch als undotierte Preise, so doch als Empfehlungen von Publikum zu Publikum – in die interessierten Teile der Welt hinausposaunt: Christian Ehring, Maren Kroymann und Sissi Perlinger (alphabetische Reihenfolge) haben ihre Sache unserer Meinung nach besonders toll gemacht. Kommt bald wieder nach Leipzig!

Das sagt die Publikums-Jury

Die Lachmesse-Publikumsjury …

… über die Magdeburger Zwickmühle mit „Keine Lösung ist auch eine Kunst“ (Pfeffermühle am 24.10.2021)

Ja, es gibt sie noch! Kabarettistinnen und Kabarettisten, die ihr Publikum mit ihrer natürlichen Stimme überraschen. Die kein Headset und einen zweistündigen Soundcheck brauchen, um die 35 Menschen im Saal zu beschallen. Und es hat sich gelohnt, Marion Bach und Hans-Günther Pölitz (ein früherer Lachmessepreisträger) zuzuhören und zuzuschauen. Mit sparsamsten Requisiten und einfach vor dem Theatervorhang konzentrieren sich die Protagonisten auf die Inhalte und die verschiedenen Figuren des Programms. Das Publikum folgt ihnen, denkt mit und kommentiert auch manchmal. Meine Lieblingsstelle: Während des Entrees streiten Pölitz und Bach heftig über Genderfragen. Unweit meines Platzes fragt ein Mann die neben ihm sitzende Frau: Sind die verheiratet? Sind sie nicht, jedenfalls nicht miteinander. Aber ein wunderbares Bühnenpaar, das sich über Conférencen, Spielszenen und Lieder mit den Problemen des Staates und der Gesellschaft auseinandersetzt, dabei zu den Wurzeln der Übel vordringt und klare Kante zeigt, was vom Publikum mit zustimmendem Beifall goutiert wird. Thematisiert werden unter anderem Rechtsradikalismus in der Bundeswehr, der Zustand Europas (mit einer umwerfenden Marion Bach als etwas derangierte Europa), Feindbilder und der nur dem Gewissen verpflichtete Abgeordnete, dessen Gewissen sich dann doch dem monitär unterstützten Fraktionszwang unterwirft. All das wird mit sehr viel Spaß, aber auch mit ernsten Momenten dargebracht. Und nun wissen wir auch, was „milap“ ist. Die Türglocke, wenn die Tür wieder zugemacht wird. Mein Prädikat: Ganz besonders empfehlenswert. (Matthias Schwarzmüller)

… über Christian Ehrings „Antikörper“ (Haus Leipzig am 24.10.2021)

Er möchte einen Fernseher kaufen, den er aus dem Geschäft mitnimmt, zu Hause anschließt und sofort fernsehen kann – ohne das Gerät erst lange zu programmieren. Solcherart Alltagserfahrungen mit den Segnungen der modernen Technik riefen beim Publikum im gut gefüllten Haus Leipzig verständnisvollen Beifall hervor. Christian Ehring, der beim Düsseldorfer Kom()mödchen spielte und bei Extra 3 gerade zehnjähriges Jubiläum feierte, thematisiert in seinem aktuellen Programm „Antikörper“ die Widersprüche unserer Welt im Krisenmodus. Dabei kommt er am Corona-Virus, dass ohnehin die Kommunikation erschwert, ebenso wenig vorbei wie am  SUV-Fahrer, der bei seiner rasanten Fahrt durch den Wald Insekten, Kröten und einen Hirsch mitnimmt und danach findet, dass die Umwelt doch noch intakt sei. Die Freundschaft mit dem technikverliebten Kumpel Justus zerbröselt im Laufe des Abends wie die Gewissheiten im Alltag der Pandemie. Sollte man dennoch mit dem Andersdenkenden im Gespräch bleiben, um Konflikte zu lösen? Ehring gibt die Frage ans Publikum weiter, das amüsiert, aber wohl auch ein wenig nachdenklich nach Hause geht. (PS)

… über Johnny Armstrong mit „Gnadenlos 2“ (Moritzbastei am 24.10.2021)

Mr. Armstrong war als knallharter Comedy-Hooligan angekündigt – sein Programm sollte noch derber und tabuloser sein als „Gnadenlos 1“, welches ich zugegebenermaßen nicht kenne. Gesehen habe ich einen Künstler, der gerne auf die Bühne kam und auch aussah, als könne er sie rocken, jedoch im Fazit unvorbereitet schien und sich oft selbst rügte, wenn er dachte, ein Witz sei nicht gelungen, sprachlich oder in der Ausführung der Pointe. Dies stimmte oft gar nicht und er nahm sich selbst den Wind aus den Segeln. Johnny hatte ein Buch, in dem er seine selbst geschriebenen Programmelemente nachlesen konnte – das hat er leider zu oft getan, aus diesem Grund erlebten wir keinen Redefluss, sondern abgehacktes „Spicken“ und einzelne gute Gags, die sich aber leider nicht zu einer tollen Show entwickelten. Man hätte annehmen können, er ist aufgrund der Coronapause oder anderer Dingen „außer Übung“. Er verriet, dass er gerade Vater geworden sei, – vielleicht war der Auftritt einfach lebenszeitlich unpassend? Schade, denn man spürte deutlich, dass er Potenzial hat, eine Supersache abzuliefern, – wie gesagt gab es spontanes Lachen und auch guten provokativen Humor immer wieder zwischendrin, aber eine „runde“ Sache war es nicht und wer ihn gestern zum ersten Mal erlebt hat, geht vielleicht nicht wieder hin. Seine treuen Fans, mit denen ich in der Pause sprach, bestätigten, dass der Abend ein wenig schleppend verlaufe und sie ihren Johnny anders kennen: Als fleißigen, stetigen Redner, der wirklich mit tabulosem Humor aufwartet und extrem individuelle Comedy abliefert, was ihn zum Star machen würde. Die Themen auf seinem „Spicker“ sind auch tadellos und vielseitig und gut beleuchtet: Brexit, Historie (da auch Verhältnis Deutschland – Britannien – Irland), eigene Person und Familie, Wortwitz Englisch – Deutsch mit all seinen wunderbaren Übersetzungstücken, lustige Alltagssituationen … Ich wünsche mir, dass Johnny Armstrong noch einmal auftritt und dann gnadenlos konzentriert und gut sein wird. Ich geh da wieder hin. (Anja Kral)

… über Michael Hatzius und „Die Echse“ (Sanftwut am 24.10.2021)

Die Echse muss keine Geschichtsbücher lesen oder „History“ gucken, sie braucht sich bloß zu erinnern, denn sie war vom Urknall an dabei (da hat’s ihr die Ohren weggefetzt, weswegen sie keine Maske tragen kann). Sie ist sogar mit den Göttern im Skiurlaub gewesen! Allerdings kam da nichts raus. Mag sein, dass die Echse in mancher Ansicht ein wenig unmodern wirkt, altersbedingt, und nicht sonderlich charmant, aber witzig ist sie und schlagfertig, außerdem interessiert an Dialekten und fantasievoll in der spontanen Deutung unbekannter Wörter. Uns Menschen beobachtet sie seit Jahrtausenden. „Ihr verfolgt das falsche Konzept“, sagt sie. „Wenn sich einer im Recht fühlt, muss der andere automatisch im Unrecht sein.“ Michael Hatzius‘ Geschöpf plädiert u.a. dafür, dass wir uns kleinere Ziele setzen, erreichbare, es geht ins Publikum und holt mit Hilfe des Freiwilligensuchschweins den Fußballer Matthias auf die Bühne. Dort erklärt es ihm und den aufgekratzten Leuten im maximal gefüllten Saal wie Puppenspiel funktioniert. Super, eine Puppe führt Puppentheater auf! Sogar übersinnliches: „Ich bin ein Medium, Stimmen sausen durch meinen Kopf …“ Hatzius erschafft, obwohl er immer zu sehen ist, die perfekte Illusion – intelligent, unterhaltsam und relevant! (BEH)

Das sagt die Publikums-Jury

Die Lachmesse-Publikumsjury …

… über Maren Kroymann & Band mit „In My Sixties“ (Kupfersaal am 23.10.2021)

Der Abend beginnt mit einem Geständnis: Das mit den Sixties stimme nicht mehr, sagt die Künstlerin, sie sei ja schon 70, genauer gesagt 72. Wer also sein Geld zurück wolle … Niemand wollte. Und hätte es auch schwer bereut. Maren Kroymann, gefragte Filmschauspielerin und Kabarettistin, ist auch als Sängerin und Entertainerin erste Klasse. Stimmlich souverän, zuweilen mit leiser Ironie, präsentiert sie Hits der 60er. Als pubertierendes Mädchen erlebte sie diese Zeit im spießigen Tübingen, dann als Austauschschülerin an einem US-College. Schlager, Schnulzen, Schmonzetten, die jemandem wohl nur in diesem Lebensalter so zu Herzen gehen. Die englische Popsängerin Dusty Springfield war für Maren Kroymann wie eine ältere Schwester, die sie gern gehabt hätte. Zwischen den Songs erzählt sie von den frauenfeindlichen Witzen ihrer Brüder, von den hilflosen Versuchen ihrer Mutter, sie aufzuklären über das andere Geschlecht. Geschichten, die viel vom Geist der 60er lebendig werden lassen. Zum Schluss gab’s langanhaltenden rhythmischen Beifall. „Heißt das, ich soll wiederkommen?“ Ja, unbedingt! (WL)

… über Wilfried Schmicklers „Es hört nicht auf“ (academixer-Keller am 23.10.2021)

„Wo geht es bloß hin?“, fragt der selbsternannte Botschafter für die Verfreundlichung der Welt in den rammelvollen Academixer-Keller hinein und antwortet gleich selbst: „Weiter, weiter und immer so weiter – aber nicht zurück.“ Denn die pfiffigen Wähler haben eine putzige Entscheidung getroffen, woraufhin im Uniönchen nun erst recht der geistige Plumpsack umgeht und wir sogar bald noch wehmütig an die brave Raute Nimmermatt denken werden. Balladendichter und Schnellsprecher Schmickler hat jede Menge mitzuteilen und großartige Gedanken und Formulierungen zu bieten: In der Ära der Hochgeschwindigkeit bleibt keine Zeit für Probleme, lauert das Glück überall, ist Schuld am Ende nur ein Gefühl. Die, die aus den Tiefen ihrer Niedertracht auftauchen, soll der Teufel holen – ja, der will sie aber auch nicht. Freier Fall für freie Tüten! Nennen Sie Ihren Hund Bombe und gründen Sie graue Zellen gegen den Jugendwahn … Zwischendurch singt der Großkabarettist wie ein Chansonnier. Ich würde sofort auch ein Konzert von ihm besuchen! (BEH)

… über die Spottvögel mit „(W)Irre Zeiten“ (Funzel am 23.10.2021)

Neun Leute auf der Bühne und einer am Klavier – die Spottvögel zählen zu den zahlenmäßig größten Ensembles ihres Fachs. Sie sprechen hiesige Mundart, singen wie eine fröhliche Schar Schnäblinge und steigen in ihre „(W)irren Zeiten“ mit einem Corona-Lied ein. Es folgt eine kurzweilige Nummernfolge über alle Probleme auf unserer „Müllmurmel“ (diese Bezeichnung für die Erde hatte ich noch nie gehört) mit lokalen Schwerpunkten. In welchem anderen Programm taucht jemals ein Hauptmann von Connewitz auf, wird von Engelsdorf, Grünau, der Eisenbahnstraße und der Domholzschänke gesprochen? Lauter Pluspunkte für das Seniorenkabarett, das sich mit diesem Beinamen nicht selber alt machen, sondern lieber Nachbarschaftskabarett nennen sollte. Hier wird der Teufel aus der Mädlerpassage, Mephisto, zu neuem Leben erweckt, erfährt das Publikum, dass der kleinste gemeinsame Nenner der größte Blödsinn sein kann, und erlebt, wie uns Niemand aus der Krise führt, Günther Niemand! Zwischendurch erklingen populäre Bühnen- und diverse Schlagermelodien, so dass man fast tanzen möchte. Und dann muss der Opa zum Tierarzt … Alles in allem sehr sympathisch und wunderbar in der Leipziger Wirklichkeit angesiedelt, zum Schluss gab es gelbe Rosen und Applaus ohne Ende. (BEH)

Das sagt die Publikums-Jury

Die Lachmesse-Publikumsjury …

… über Matthias Machwerk mit „Frauen sind schärfer als Mann glaubt“ (Funzel am 22.10.2021)

Ein vielfach in der Comedy strapaziertes Thema wird erfrischend und mit viel Witz aufgegriffen. Dabei werden viele Themen aus diesem Minenfeld wie Alter, Ängste, Fernsehen, Mode und Trends und natürlich auch Sex aus beiden Blickwinkeln betrachtet. Dabei kommen die Frauen wider Erwarten sehr gut weg, obwohl Seitenhiebe wie „Männer gehen ins Kaufhaus, um einzukaufen, Frauen …“ nicht fehlen. Die Pointen kommen Schlag auf Schlag und treffen den Nagel auf den Kopf. Man(n, aber auch Frau) kommt aus dem Lachen nicht mehr raus. Beim Thema Alter stellt Machwerk fest, dass die Alten immer jünger werden und er nach dem Joggen so schlimm aussieht, dass er froh ist, niemanden von „Körperwelten“ zu treffen. Beim Thema Fernsehen lässt er sich sehr treffend zur Sinnhaftigkeit vieler Fernsehformate wie „Bauer sucht Frau“ (früher haben die Bauern mit der eigenen Zicke, heute müssen sie eine suchen) oder „Frauentausch“ (der Mann meldet seine Frau in der Hoffnung an, sie kommt nicht wieder) aus. Zum Schreien der Vergleich der „Geissens“, Unterschicht sieht Millionären beim Geldausgeben zu, mit einer Ente, die sich zu Weihnachten eine Kochsendung ansieht. Das Programm ein Gewehrfeuer an Gags, das Mann und Frau gesehen haben muss. (AG)

… über Weltkritik deluxe mit „Chip Chip Hurra“ (Central Kabarett am 22.10.2021)

Dass Chips kleine gefährliche Biester sind, weiß jede Couch-Potato spätestens dann, wenn die Federung versagt. Die anderen Chips können viel mehr und sind überall. Auch im Lühmlich-Roboter und im Sumpf-Pretzsch-Avatar, den traditionellen Bühnenfiguren von Bettina Prokert und Maxim Hofmann, die wir nach dem spacigen Entree wiederbekommen und deren persönliches Konfliktpotenzial frisch ist wie im ersten Programm. Und so beginnt der Streifzug durch dieses chip-verseuchte Alltagsleben mit Siri, Alexa und Cortana, allesamt Sprachassistenten. Dass sie eine weibliche Stimme haben, liegt daran, so erfahren wir, dass sie von Männern ausgedacht wurden, die sich von Frauen bedienen lassen wollen. Uns begegnen Gedichtgeneratoren, selbstfahrende Autos, Emojis und auslaufende Gesundheitsabos.

Warum ist der Mann, der da vorm Bäcker steht, so traurig? Er hat sich umgedreht und festgestellt, dass er keine Follower hat. Eine wunderbare Idee, die Begrifflichkeiten der Social-Media-Welt auf echte Menschen zu projizieren. Das Programm lebt von den Konflikten Mensch-Elektronik und Mensch-Mensch bzw. Mann-Frau. Dazu kommt eine wiederholte Interaktion mit dem Publikum, und die Mitmachaufforderungen werden auch von einem Großteil der Zuschauer (umpf) und Zuschauerinnen (ahh) angenommen. Es macht allen Spaß, sich über Glasfaser im Erzgebirge ein Bild zu machen, wenn der Holzmichel singt: Ja, er lädt noch, er lädt noch, er lädt noch. Oder wenn Lernsax auf die Schippe genommen wird. Wenn Sie wissen wollen wie, gehen Sie hin, es lohnt sich. Es ist ein aktuelles Programm, auch im Klassiker-Lied „Ich krieg die Krise“. Gibt es was zu meckern? Das gibt es in jedem Programm, für mich gab es einige längere Pausen in den Dialogen und Übergängen, das schadet dem Spannungsbogen. Insgesamt tut das dem Programm aber keinen Abbruch, also auch hier mein: Besonders empfehlenswert. (Matthias Schwarzmüller)

Das sagt die Publikums-Jury

Die Lachmesse-Publikumsjury …

… ein zweites Mal über „Slam vs. Kabarett“ (Kupfersaal am 21.10.2021)

Was immer die Erfinder des Wettstreits „Slam vs. Kabarett“ bewogen hat, dieses Format aus der Taufe zu heben, wurde mir bis zum Schluss nicht ganz klar, aber das mag eher ein Problem des Verfassers sein, denn das Publikum war begeistert und der Abend ein Erfolg. Und speziell war es auf jeden Fall. Das lag aber nicht am Moderator Jonas Greiner, der eher flach und selbstgefällig versuchte,  die Stimmung anzuheizen. Bereits hier wie bei seinen späteren Auftritten dachte ich fast wehmütig an die Moderatoren des „Kupferpfennigs“, die gekonnt agierten, aber dabei stets das Grundprinzip einer jeden guten Moderation  beachteten, die Akteure und nicht sich selbst  in den Mittelpunkt zu stellen. Hervorzuheben ist die gekonnte und einfühlsame musikalische Begleitung auf dem Flügel von Brian Völkner. Die Verbindung von Klavier und Trompete war sicher originell, seine Stärke liegt aber im Klavierspiel.

Der erste Slammer, Hank M. Flemming, versuchte mit holprigen Reimen und Wiederholungen Zeitkritik zu üben, wirkte mitunter theatralisch ohne zu überzeugen. Der Kabarettist Matthias Reuter textete sehr originell und war super am Klavier. Der russische Slang beeinträchtigte jedoch die Verständlichkeit. Vivien Wenzel trug ihren nachdenklich machenden Text authentisch und engagiert vor. Die kurzfristig für einen verhinderten Kabarettisten eingesprungene Anke Geißler war mehr als ein Ersatz. Sie spielte ihre Rolle sensibel und überzeugend. Eine Performance, die einfach stimmte. Die Slamerin Annelie Herwig schließlich performte sehr gut und  war zeitkritisch und persönlich sympathisch. Kabarettist Götz Frittrang stieg mit tagesaktuellem Bezug ein und war dann erfrischend und bühnenpräsent. Er war der verdiente Sieger, auch wenn ich mir da auch (nicht statt!) Annelie Herwig oder Anke Geißler hätte vorstellen können. Was den Moderator betrifft, wäre weniger mehr gewesen. Er war sehr groß, aber an Größe fehlte es ihm. Und dass man in eine  Wertungsabstimmung per Beifall reinquatscht, geht gar nicht. (Ulrich Grüttner)

… über „Slam vs. Kabarett“ (Kupfersaal am 21.10.2021)

Das Spezial der Leipziger Lachmesse bot einen fulminanten Wettkampfabend, ausgefüllt mit haufenweise Witzattacken, starken Bühnenpräsenzen, ernsthaften Tönen, Musik und Liedkunst. Alles war dabei, es war spannend im voll besetzten Saal. Jonas Greiner (siehe auch „In Voller Länge“ am 20.10.) moderierte und tat dies ziemlich gut – ohne Langeweile, im Gegenteil noch zwischendurch beschenkt durch seine eigenen kabarettistischen Anekdoten, kam man kurzweilig durch den mehr als zweistündigen Abend. Unterstützend wirkte hier Brian Völkner, der für musikalische Kurzweil sorgte. Er spielte am Flügel und Trompete (zeitgleich!) und sang uns ganz wunderbar Evergreens. Sechs vorher nicht bekannt gegebene Künstler/innen traten in der ersten Programmhälfte auf: 3x Slam und 3x Kabarett. Alle waren bemerkenswert oder herrlich, es sei aus diesem Grund zu allen etwas gesagt.

Zuerst Slam: Hank M. Flemming las uns seinen sehr krassen Text, über dessen Wortspielereien man spontan lachen musste, über dessen Inhalt man aber auch nachdenken sollte. Er hat eine sympathische Ausstrahlung, – war bereits Preisträger zahlreicher Slam-Wettbewerbe und beherrscht sowohl die poetische Wortgewalt des Slam als auch die Bühnendarstellung, die jedes Publikum flasht. Dann Kabarett: Matthias Reuter brillierte mit seinen Ausführungen zur Weltverschwörung der russischen (nicht amerikanischen!!!) Hacker, also Igor, Boris, Doris und Dimitri (glaube ich) regieren die Welt in allen Einzelheiten und großen Gefügen per PC und Hotlines. Dies erzählt er uns singend mit russischem Dialekt am Flügel spielend. Es ist ein Fest, ihm zuzuhören.

Es folgte Slam: Vivien Wenzel, eine junge Leipziger Soziologiestudentin mit angenehm natürlicher Ausstrahlung, die zuerst angibt, sehr aufgeregt zu sein und gar nichts über sich selbst sagt, vielleicht, um ihren Text, ihr Anliegen in den Vordergrund zu stellen. Dies ist dann auch sehr ernsthaft, tief und toll gesprochen, geschehen. Sie setzt die Entfaltung des individuellen Menschen in den Vordergrund, wirbt für die Wiederentdeckung von wirklicher Bedeutung / Miteinander in den Dingen und Gesten, vor allem im Kleinen und dann im Großen. Ich war bezaubert und sage zu diesem Poetry Slam in Reinkultur: Weiter so! (War meine Preis-Favoritin in der Slam-Gruppe.) Nun erlebten wir wieder Kabarett: Anke Geißler als Sunny, eine nicht mehr ganz junge, absolut „durchgechillte“ Frau, die mit einem enormen Joint auf die Bühne kommt, weil sie sich ausgeschlossen hat und nun den (vielleicht perversen?) Hausmeister sucht, damit sie wieder in ihre Wohnung und ans Feuerzeug für den Joint gelangt. Wir erfahren vom bedingungslosen Grundeinkommen, dass ihre Eltern für ihr nunmehr sechstes Studium bezahlen und ihrem Unverständnis gegenüber Anfeindungen dagegen, da sie ja schließlich tolerant gegenüber allen ist, die arbeiten gehen wollen … Ausgezeichnetes Theater mit grandioser, unbeschreiblicher Körpersprache und Stimmarbeit der Anke Geißler, tolle Schauspielerin, die man u.a. in den academixern sehen kann.

Jetzt als nächste Vertreterin des Slam: Annelie Herwig aus Delitzsch. Sie punktet beim Publikum mit großer Freude über ihre Auftrittsmöglichkeit an diesem Abend, schildert dann eine Menge subjektive, familiäre Erinnerungen, um diese dann zu einer gesellschaftlichen Allgemeinsicht zu führen, die ankommt, wie man später sieht. The last, but wirklich not the least im Bereich Kabarett: Götz Frittrang. Schwarzer Anzug, Lockenpracht, man ist gespannt … Allein mit dem Mikrofon, minimalistischst in seiner Bewegung, erweckt er sofort mit seinem sehr natürlichen und energetischem Geplauder jeden im Publikum zu noch mehr Leben. Zunächst huldigt er dem Idealismus der Slamer/innen, die ihm wie Babies vorkommen, was ihn sich alt fühlen lässt. Er macht das ganz charmant und es passt so gut. Er erzählt dann von allen möglichen Dingen, die er während Corona getan hat (ausmisten und verschenken wollen, X-mas-Sterne basteln im Sommer, kochen nach Youtube), und man kann nur aufpassen, dass man vor lauter Lachen nicht durchdreht oder einpullert. Er redet einerseits so banal von alltäglichen Sachverhalten, wird dann aber auch mal ungehalten und meckert fast hysterisch rum, jedoch immer mit gleichbleibender Miene und wie wir es inhaltlich sicher alle von uns kennen. Er hat eine ganz spezielle Dynamik der Heiterkeit im Saal erzeugt, auch ich wollte immer mehr hören.

Alsdann wurde die Abstimmung zur Wahl der Finalisten durchgeführt. Absolut toll war, dass die Zuschauer allen Akteuren heftigen Beifall zollte. Letztlich fiel die Wahl ziemlich knapp auf Annelie Herwig und Götz Frittrang. In der zweiten Programmhälfte gaben die Finalisten nochmals etwas zum Besten. Beide blieben ihrem bisherigen „Kurs“ treu. Frittrang zum Thema „Weltuntergang“, aber bitte nicht so betroffen, sondern als Happening, Herwig mit einer Erinnerungsstory / Anprangerung gegen das Ausgegrenztwerden. Gewonnen hat dann nach nochmaligem Abstimmen Götz Frittrang, völlig verdient. Und belohnt wurden wir im Saal mit einem weiteren genialen Frittrangschen Exkurs zu den baulichen Gegebenheiten von Bamberg als durchaus persönliche, gar sexuelle Herausforderung. Über seinen Preis, eine Flasche Gin, freute sich der Gewinner sehr. Auch wenn Slam und Kabarett nicht eigentlich vergleichbar und somit vs. sind – beides war ein Genuss und es war wunderbar. Die tolle und demokratische Stimmung im „Kleinstaat“ Kupfersaal hat sehr dazu beigetragen. (Anja Kral)

Das sagt die Publikums-Jury

Die Lachmesse-Publikumsjury …

… über Martin Frommes „Glückliches Händchen“ (Pfeffermühle am 21.10.2021)

Das Programm dreht sich um Menschen mit Handicaps und den Umgang der „Anderen“ damit. Hier greift er auf eigenen Erfahrungen zurück. Die anfängliche Befangenheit nimmt Martin Fromme mit der Frage, wieviel Behinderte im Raum sind und anfängt, die Brillenträger durchzuzählen. Das führte mich zu der Frage, wo fängt eine Behinderung an. Das wird von Martin Fromme direkt erklärt: Teilverlust des Penis 50% Behinderung, Totalverlust der Vulva 40% Behinderung. Weswegen er auch gleich über  Gleichberechtigung sinniert! Mittels Anekdoten, Wortspielereien, aber auch über die auf die Leinwand projizierten Fotos von skurrilen Behindertenrampen und -toiletten führt er dem Publikum vor Augen, wie unbedacht „Nichtbehinderte“ im Umgang mit den körperlichen Einschränkungen ihrer Mitmenschen umgehen, dass aber auch zuviel Aufmerksamkeit bzw. der Fokus auf die Behinderung nerven kann. Dies passiert nicht mit dem erhobenen Zeigefinger, sondern mit sehr viel Humor und Selbstironie. Absolut herausragend sind die Gesangseinlagen, bei denen Martin Fromme auf bekannte Melodien neue Texte zu Behinderungen / Einschränkungen, wie z.B. über das Wachkoma auf dem Oldie „Lola“, singt. Nicht nur, dass die Texte absolut gut passen und komisch sind, bringt Martin Fromme diese stimmgewaltig an den Mann oder die Frau. Einfach nur bombastisch! (AG)

… über Nils Heinrichs „Deutschland einig Katerland“ (Blauer Salon am 21.10.2021)

Es gibt wenige Kabarettprogramme, in denen so oft von Bad Langensalza gesprochen wird. Aber das ist die Heimat von Nils Heinrich, von dort aus begann sein Weg durch das neue Deutschland. Ausgangspunkt – der 1990 frisch erworbene Facharbeiterabschluss, feierlich überreicht zusammen mit der Kündigung. Da stellen sich schon Fragen. Hätte man nicht vieles besser machen können bei der Schaffung eines neuen Landes, statt erstmal alles abzuschaffen im Osten, was dann später wieder neu erfunden wurde. Eine beeindruckende Liste. Seine Stationen in den gebrauchten Ländern sind Hannover (wie Halle-Neustadt, nur hochdeutsch), Kassel (das kann nicht Westdeutschland sein, wahrscheinlich ist es Schmalkalden) oder Stuttgart (hier gibt es keine Salzkartoffeln). Nils Heinrich versteht es, seine politischen Ansichten und seine Alltagsbeobachtungen pointiert an die Zuschauer zu bringen und spricht auch vermeintliche Unwörter klar aus (nein, die N- und Z-Wörter sind nicht dabei), und sei es nur, wenn der Reim es halt erfordert. Immerhin hat er auch gelernt, dass die neuen behaarten Kartoffeln, die es auf einmal gab und die von der Kartoffelsorte Kiwi stammen, nach dem Rasieren und Kochen auch nicht besser schmecken. Und wir haben gelernt, dass die früheren Mönche ihre Fleischgelüste während der Fastenzeit in einem Teig getarnt haben und die Maultaschen in Schwaben deshalb Herrgottsbscheißerle genannt werden. Ein persönlich-politisches Programm, das den Zuschauern viel Spaß gemacht hat und auch durch die Abwechslung von Conférence, Lied und gelesenen Geschichten nie langweilig wurde. Prädikat: Sehr empfehlenswert. (Matthias Schwarzmüller)

… über Tutty Tran mit „Augen zu und durch“ (Funzel am 21.10.2021)

Kann man Alltagsrassimus weglachen? Sicher nicht. Darf man Witze darüber machen? Tutty Tran darf es. Und er kann es. Der gebürtige Berliner mit vietnamesischen Eltern erzählt in seinem ersten Soloprogramm Geschichten. Vor allem über sich und seinen Vater, der nur schlecht Deutsch spricht. Zum Schreien komisch die Situation, als der Sohn im Supermarkt den Einkaufszettel abarbeitet, auf dem der Vater die gewünschten Waren so notiert hat, wie er sie akustisch verstanden hat. Das als Rollenspiel dargeboten, sorgt für Lachsalven in der ausverkauften Leipziger Funzel. Überhaupt lebt der Abend vom ständigen Wechsel zwischen Berliner Dialekt und schwer verständlichem Deutsch mit stark vietnamesischem Akzent. Immer wieder verwickelt der Comedian auch Besucher ins Gespräch. Berührungsängste kennt er offensichtlich nicht, nicht vor Klischees und Tabus. Nicht vor schlechten Witzen. Letztere haben mich nur wenig gestört, das übrige, deutlich jüngere Publikum gar nicht. Ohne die hiesige Comedy-Szene genauer zu kennen, behaupte ich, dass es für sie ein großes Glück bedeutet, dass dieser Tutty Tran nicht in einem Asia-Restaurant am Wok steht oder mit Obst und Gemüse handelt. (WL)

… über Matthias Egersdörfers „Nachrichten aus dem Hinterhaus“ (academixer-Keller am 21.10.2021)

Sein größter Wunsch ist es, „freundlich zu sein“. Warum dies nicht gelingen kann, wird in Egersdörfers knapp zweistündigem Programm deutlich. Sein Protagonist regt sich rasend über alles und alle auf, die sein Hinterhaus, das er kaum verlässt, bevölkern: die Frau Schlitzbier, die ihren ständigen Husten „als rhetorisches Mittel“ einsetzt, die Mitbewohner, die ihre Möbel nach dem Rumpelfaktor aussuchen, die Großfamilie mit den plärrenden Kindern im 1. Stock oder den „Schleimer mit den Pianistengriffeln“ aus der Dachgeschosswohnung. Doch all das Lästern über die Nachbarn offenbart letztendlich nur, dass er selbst die menschliche Katastrophe ist. Sein geringes Selbstwertgefühl verdankt er der „Muada“, die hier als Handpuppe wiederaufersteht und ihn mit dem Satz „Buab, für dich ist gesorgt“ ins Lebensunglück und Selbstmitleid stürzte. Sein Verhältnis zu Frauen ist nicht einfach. Die Floskel „Kann ich noch etwas für Sie tun“ seiner Apothekerin, die ihm die Antidepressiva verkauft, führt ihn auf abwegige Gedanken. Herrlich wird sein Zorn, wenn im Klassikradio plötzlich ein „junger Rettich“ auftaucht und ihn duzt, wo er doch ein festes Bild einer altehrwürdigen Ansagerin bzw. eines Ansagers hat, die ihre Texte mit goldenen Federhaltern schreiben. Matthias Egersdörfer, bekannt weit über seine Fürther Heimat hinaus, stellt in seinem aktuellen Programm den ganz normalen Wahnsinn im Miteinander bloß. In fränkischer Mundart, grantelnd unfreundlich, aber „sauguad“. (PS)

Das sagt die Publikums-Jury

Die Lachmesse-Publikumsjury …

… über Jonas Greiners „In voller Länge“ (Kupfersaal am 20.10.2021)

Nr. 1: Wenn jemand wie Jonas Greiner auf die Bühne kommt, dann fällt eine Sache ziemlich schnell auf: Er ist groß, ziemlich groß. Mit 2,07 m bezeichnet er sich selbst als „Der größte Kabarettist Deutschlands“. Aus gutem Grund hat er also nach Betreten der Bühne noch mal einen Schritt zurück gemacht, damit die vorderen Reihen keinen starren Nacken bekommen. Er hat uns aber nicht nur auf sehr humorvolle Art und Weise dargeboten, welche Fragen er aufgrund seiner Größe gestellt bekommt (Ja, natürlich ist er auch Profi-Basketballer!). Wir erhielten auch Einblicke in seine Heimat Thüringen, in sein Reisetagebuch aus New York und in sein Geschichtsabitur. Alles ist von einer Menge Witz geprägt und nie langweilig. Bei ihm kommen die Pointen am laufenden Band und jeder ist mal dran. Somit war es wenig überraschend, nach Ende der Veranstaltung viele fröhliche Gesichter im Publikum zu sehen. Jonas Greiner macht Spaß, GROSSEN Spaß! (MH)

Nr. 2: Vor zwei Wochen fragte ich mich, was möchte ich mir 2021 als Jurorin der Publikumsjury anschauen? Natürlich sollte es eine gestandene Größe der Kabarettszene und dazu etwas Junges, Frisches sein. Jonas Greiner, 24 Jahre (könnte mein Sohn sein), Thüringer, Preisträger des Leipziger Kupferpfennigs 2020, bis September dieses Jahres Mitglied der Linken und des Kreistages Sonneberg – das klang interessant. Und genauso wurde dieser Abend auch: unterhaltsam, witzig, keinesfalls oberflächlich. Ob Jonas Greiner über seine Größe (207 cm) und die damit einhergehenden Anspielungen oder die Besonderheiten seiner Heimat Thüringen im Ranking mit anderen „bedeutenden“ Bundesländern plaudert – es gibt viel zu lachen. Die oft zitierte „unpolitische Jugend“ nimmt – sicher auch aufgrund seines eigenen Engagements – einen großen Teil des Programmes ein. Seine Analysen sind spitzzüngig und haben mich animiert, auch im Nachgang des Abends noch Jonas Greiner zu sehen und zu hören (Empfehlung an dieser Stelle sind seine „Monatsrückblicke“). Der Saal war gut gefüllt und das Alter gut gemischt (inkl. eines Besuchers mit einem herrlichen Lachen, welches Künstler und Publikum fasziniert verstummen ließ). Ein Geheimtipp ist Jonas Greiner sicher nicht mehr, aber meine absolute Empfehlung auf jeden Fall! (SB)

… über den Kupferpfennig-Wettstreit (academixer-Keller am 20.10.2021)

Der Kleinkunstwettbewerb „Kupferpfennig“ ist seit Jahren fester Bestandteil der Leipziger Lachmesse und nicht ein Bestandsteil schlechthin, sondern einmal mehr eine echte Bereicherung. Die souverän agierende Gastgeberin Anke Geißler und die launisch humorvolle Moderation von Christoph Walther sorgten von Anbeginn an für eine freudig erwartungsvolle Stimmung im sehr aufgeschlossenen Publikum. Für beste Stimmung war also gesorgt und der rote Teppich für die drei Kupferpfennig-Aspiranten Lea Hieronymus, Fee Brembeck und Jakob Schwerdtfeger ausgerollt. Die nahmen die gute Stimmung im Zuschauerraum auch sofort auf und ließen sich so auch zu guten und sehr guten Leistungen inspirieren. Es  wurde erfrischend getanzt, gerappt, gesungen und Geschichten erzählt. Dass Neue in der Szene – ist man das nach zehn Jahren noch? – Neues und nicht zuletzt auch sich selbst ausprobieren, ist erlaubt , ja geradezu zu erwarten. Das gab dem Abend eine besondere Note. Ach so, wie ging der Wettbewerb denn aus? Das war eigentlich zweitrangig. Jakob Schwerdtfeger belegte in der Gunst des Publikums den ersten Platz vor Fee Brembeck. Es hätte auch umgekehrt  sein können. Lea Hieronymus fehlt es vermutlich im Vergleich zu den beiden Mitbewerbern an Erfahrung. Aber mit ihr wird sicher zu rechnen sein. Insgesamt für alle Beteiligten ein sehr gelungener Abend. (Ulrich Grüttner)

… über Christoph Brüske mit „Willkommen in der Rettungsgasse“ (Funzel am 20.10.2021)

Der Mann kommt aus dem Erzbistum Köln, wo gerade ein geflügeltes Wort umgeht: „Muss mal kurz austreten“. Als rheinische Frohnatur mit überzeugender Bühnenpräsenz und Lieddichter mit Gesangstalent hat er das Publikum schnell auf seiner Seite. Keines der Themen, die uns gerade beschäftigen, lässt er aus – Missbrauchsskandal, Lockdown, Bundestagswahl, Digitalisierung, Verschwörungsmythen, ausufernde Bürokratie, politisch korrekte Sprachregelungen, ökologisch korrektes Essen – karnevals- wie kabaretttauglich auf die Bühne gebracht. Mir haben sich zwei Wortschöpfungen eingeprägt: Schwarzfahrer sollte man besser als „People of no ticket“ bezeichnen, Obdachlose als „Location freelancer“. Außer Wortwitz und Musik setzt Christoph Brüske in seinem Programm auch großformatige Fotos ein. Sie zeigen u.a. unfreiwillig Komisches wie das Hinweisschild „Schnelltest – heute hinten“. Die Bilder werden dabei nicht mit einem Beamer an die Wand geworfen, sondern sind altmodisch auf große Papptafeln geklebt, die auf einer Staffelei stehen. Dazu passt Christoph Brüskes Traum, anstelle von Newsletter und Liveticker die wichtigsten Nachrichten von einem berittenen Boten ins Ohr geflüstert zu bekommen … (WL)

… über Justus Krux mit „Kommste noch auf nen Kaffee mit hoch …?“ (Central Kabarett am 20.10.2021)

Wenn man als Jura-Studierender an die Uni kommt, dann freut man sich, wenn die Einführungsvorlesung ins gewählte Fachgebiet nicht trocken dargeboten wird, sondern der Ritt durch die Paragrafen des BGB  ein lockerer ist. Da wünscht man sich Herrn Krux, der es versteht, die Stolperfallen des Alltags mit den Augen eines Juristen zu sehen. So erfährt man, dass man das Warndreieck auf den Beifahrersitz legen soll, damit man den Kofferraum mit der Leiche nicht öffnen muss, oder auf der Flucht in eine Hüpfburg springen soll, da die Beamten während des Dienstes ihre Schuhe nicht ausziehen dürfen. Krux befasst sich auch mit der Berufsgruppe der Informatiker, die es in seinen Augen nicht leicht haben im Leben, das ihnen außerhalb der eigenen vier Wände seltsam vorkommen mag, oder auch mit der gendergerechten Sprache (wie ist ein herrenloses Damenfahrrad zu bewerten?). Die Schönheit der Sprache an sich findet er im BGB, das vom 01.01.1900 stammt und woraus er etliche sprachlich gelungene Paragrafen zitiert. Eine Betrachtung von Literatur und Philosophie dieser Zeit gerät leider nicht ganz schlüssig, Friedrich Nietzsche kann man gelten lassen, aber der kleine Brecht war erst 22 Monate alt und von geringem Einfluss auf die literarische Szene vor 121 Jahren. Seine Eingangsfrage, warum die Leute Anwälte nicht leiden können, hat er für mich nicht beantwortet, sein humoristischer Vortrag dafür aber Spaß bereitet – und Studenten werden Krux dankbar sein für die Motivation, wenigstens bis zum kleinen BGB-Schein durchzuhalten. (Matthias Schwarzmüller)

Das sagt die Publikums-Jury

Die Lachmesse-Publikumsjury …

… über HG Butzko mit „Aber witzig“ (Central Kabarett am 19.10.2021)

Der Mann steht am Biertisch und freut sich – über den nach Corona endlich wieder möglichen Auftritt. Er ärgert sich – über die Unverantwortlichkeit der Verantwortlichen, die uns regieren. Und er wundert sich – über die Vergesslichkeit der Leute. War da nicht noch was? Pkw-Maut, Wirecard, Cum Ex, Faxgeräte in den Gesundheitsämtern, Datenleck bei der elektronischen Patientenkarte … Wie andere Kabarettisten tut auch HG Butzko, was unsere Leitmedien viel zu selten tun: Er erklärt, was in dieser Gesellschaft gerade so (schief)läuft. Nicht alles und alle lassen sich dabei sauber in Schwarz und Weiß einteilen. Bill Gates etwa investiert in Unternehmen, deren Produkte Fettleibigkeit fördern. Zugleich gibt er Geld für die Weltgesundheitsorganisation. Das sei, sagt Butzko, als ob ein und dieselbe Holding Tretminen und Beinprothesen anbiete, Kapitalismus eben. Erlebt habe ich eine gute Stunde pointengespickte politische Bildung. Nebenbei habe ich gelernt, dass ein bestimmter Kraftausdruck in Gelsenkirchen etwas völlig anderes bedeutet als in Berlin. Fazit: Mein symbolischer Daumen zeigt nach oben. (WL)

… über Fischer & Jung mit „Innen 20 – Außen ranzig“ (Funzel am 19.10.2021)

Na, das war ein lustiger Abend! Guido Fischer und Björn Jung haben zur Begrüßung „schicke“ Schlüpfer mitgebracht, die sie dann doch nicht ins Publikum werfen. Ganz taktisch kitzeln die Beiden bereits am Anfang Beifallsstürme aus den Zuschauern heraus, bevor überhaupt ein Programm beginnt. Von Anfang bis Ende erheitern sie mit schnellen, witzigen Dialogen – interagieren und improvisieren dabei ganz oft mit dem Publikum. Die Spielfreude ist fast greifbar und Fischer & Jung können es auch. Wir erfahren die „Leiden“ der soeben 50 gewordenen Männer mit dem Weggang des Haupthaares versus wachsenden Haaren an anderen Ausgängen wie z. B. den Ohren … Wir lernen die Eltern der Beiden kennen, sehr signifikante Personen und natürlich zum Brüllen komisch. Auch zum Thema „Liebesleben“ wird ausgeführt. Während Fischer darüber nachdenkt, wie wieder etwas Schwung in seine langjährige Ehe eintreten könnte, hat sich Jung gerade in Nicole verliebt und fragt sich nach besten Umgarnungstaktiken. Selbstverständlich erhalten beide vom jeweils anderen unterstützende Ratschläge und dies lässt den Saal vor Lachsalven erbeben. Gelungene Comedy! (Anja Kral)

… über Ulan & Bator mit „Zukunst“ (academixer-Keller am 19.10.2021)

Im Programmheft der 31. Lachmesse steht bei Ulan & Bator: „Für Kenner“. Diese wissen, sobald die beiden seriösen Anzugträger ihre Strickmützen aufgesetzt haben, folgt ein großartiges „kabasurdes Abrett“, Nonsens mit Niveau, hohe Kunst mit tieferer Bedeutung. Dabei wechseln die ausgebildeten Schauspieler die Buchstaben in ihren Worten ebenso schnell wie ihre Rollen. Und weil sie Meister in Mimik, Gestik und Körperbeherrschung sind, begeistern ihre Figuren das Publikum im Nu. Ob es der wiederauferstandene Tänzer Nurejew ist oder der alte Käse, der im Sinne von Nachhaltigkeit vom Kühlschrankbesitzer vernichtet werden soll (was der nicht übers Herz bringt). Auch mit ihren schrägen Songs zeigen Ulan & Bator, dass Kabarett mit Anleihen bei Dada oder auch Loriot in „Herz und mind geht“ und somit „Zukunst“ hat – so der Titel ihres aktuellen Programms. Im academixer-Keller brach das Publikum spätestens beim bekannten Stuhlkonzert der beiden Herren, in dem ein Komponist sein Schnarchtrauma verarbeitet, in Begeisterungsstürme aus. Ich jedenfalls hatte einen wunderbaren auf- und anregenden Abend – und bleibe Fan von Ulan & Bator. Und ich hoffe, dass die beiden wahnwitzigen Kabarettisten gestern weitere Fans hinzugewinnen konnten. (PS)

Das sagt die Publikums-Jury

Die Lachmesse-Publikumsjury …

… über Sissi Perlingers „Worum es wirklich geht“ (Pfeffermühle am 18.10.2021)

Nr. 1: Sissi Perlinger klingt hübsch und assoziiert bei mir Sekt trinken im bayrischen Wald bei Sonnenschein. Die Künstlerin ist sehr hübsch, fit wie ein Turnschuh und bescherte ihrem vollen Publikum einen ultra-unterhaltsamen Abend. Sie kredenzte Szenen in bayrischem Dialekt, ließ uns an ihren Ansichten zum zwischenmenschlichen Miteinander, zur politischen und gesellschaftlichen Situation teilhaben, wuselt dazu höchst aktiv über die Bühne  – und das Lachen bricht sich zu recht zahlreich und unaufhörlich Bahn. Sissi Perlingers musikalische Einlagen entlockten einem neben Amüsement stets ein großes WOW, da ihre Stimme gewaltig ist und ihre sich selbst begleitende Instrumentalhandhabung mit Gitarre und Fußtrommel ebenfalls bewundernswert. Sie ist seit 30 Jahren auf der Bühne und vor der Kamera, absoluter Profi und kein bisschen langweilig, sondern frisch und urkomisch. Dabei war sie auch sehr nah am Publikum und alle folgten ihrer Aufforderung „Fresse schütteln“, denn das entspanne. (Das stimmt.) Nach dem Programm konnte man noch direkt mit der Künstlerin schwatzen oder eine CD günstig von ihr kaufen. Alles in allem eine wunderbare, verrückte, kluge Frau, die im Übrigen am Ende wirklich in einem Satz verrät, „Worum es wirklich geht“, aber das plaudern wir hier nicht aus … (Anja Kral)

Nr. 2: Ich gebe zu, als Sissi Perlinger ihr Programm damit begann, das Publikum zu Mitmach-Aktivitäten aufzufordern, die mir sehr fremd sind und verschiedenste Laute bis hin zu Affenlauten auszustoßen, hatte ich doch Zweifel, ob ich in der richtigen Veranstaltung sei. Es wäre ja nicht das erste Mal, dass man von einer Kabarettistin bzw. einem Kabarettisten in kurzen TV-Auftritten begeistert, von einem ganzen Abendprogramm jedoch weniger angetan ist. Doch diese Zweifel beseitigte Sissi Perlinger schon im Ansatz, als sie nämlich nicht nur Affenlaute nachäffte, sondern ihrem Affen Zucker gab. Powerfrau pur! Bühnenpräsenz par Excellence. Sie redet, deklamiert, spielt, parodiert, singt, tanzt, begleitet sich instrumental selbst, animiert, regt und spricht das Publikum in bewundernswerter Weise differenziert und auf höchstem Niveau an. Ein Abend der Superlative! Sissi Parlinger ist – ja was ist sie denn? Im Lachmesse-Programm steht zu ihrer Performance nicht Kabarett oder Comedy, sondern  Entertainment. Ja, sie ist nicht einzuordnen, ist einfach alles: Kabarettistin, Comedienne, Schauspielerin, Sängerin, Animateurin. Und sie verfügt nicht nur über die künstlerischen Mittel, sie hat auch etwas zu sagen. Nach diesem Abend weiß wahrhaftig jeder „worum es wirklich geht“. In dieser Breite und Tiefe auf Höchstniveau würde der Leipziger Lachmesse eine mit dem Leipziger Löwenzahn geehrte Sissi Perlinger gut zu Gesicht stehen. (Ulrich Grüttner)

… über Johannes Hallervordens „Letzten Raucher“ (academixer-Keller am 18.10.2021)

Bei Johannes Hallervordens Leipzig-Premiere des Stücks „Der letzte Raucher“ wird der Protagonist von seinem Freund Dirk auf eine Party eingeladen. Soweit schön und gut, aber außer ihm sind ausschließlich Nichtraucher*innen eingeladen. Anfänglich ist er noch ganz stolz, den Balkon ganz für sich allein zu haben. Aber es kommt, wie es kommen musste: Die Gruppe verlässt nicht nur die Wohnung, sondern auch ihn ausgesperrt zurück. Alles zunächst halb so wild, schließlich gibt es guten Wein und anderthalb Packungen Glimmstängel. Dennoch – für den Raucher läuft der Zigaretten-Countdown. Während also Nikotin- und Promillewert bei ihm zunehmen, erzählt Hallervorden von den Tücken des modernen Rauchers: Von Automaten, die ihm keine neuen Packungen verkaufen wollen, vom Traumland eines jeden Rauchers, Rumänien, und von möglichen Rettungsszenarien, Hauptsache runter von diesem fürchterlich kalten Balkon (oder zumindest irgendwie zu neuen Zigaretten). Johannes Hallervorden hat uns auf überzeugende und witzige Weise gezeigt, wie hart es heutzutage sein muss, Raucher zu sein. Sein Auftritt motiviert uns also nicht wirklich, selbst zum Raucher zu werden. Umso mehr aber, ihn öfter auf der Bühne erleben zu wollen. (MH)

Das sagt die Publikums-Jury

Die Lachmesse-Publikumsjury …

… über die Herkuleskeule Dresden mit „Im Kühlschrank brennt noch Licht“ (Sanftwut am 17.10.2021)

Manches, was aus Dresden kommt, wird von den Leipzigern kritisch gesehen. Nicht so am Eröffnungstag der Lachmesse im Kabaretttheater Sanftwut. Ungefähr 100 Zuschauer erlebten zwei Stunden Ensemblekabarett vom feinsten. Die vier Akteure und Akteurinnen, oder sollte man besser Agierende schreiben, bringen die Anwesenden nicht nur zum Lachen, sondern durchweg auch zum Nachdenken über die aktuellen Themen der heutigen Zeit. Dabei beziehen sie eindeutige Positionen, die sicher nicht von allen im Publikum geteilt werden. Aber die Zustimmung war einhellig, vielleicht war auch der vielbeschworene Durchschnitt der Gesellschaft nicht präsent. Der Altersdurchschnitt war jedenfalls deutlich geringer als üblich. Worum geht es also? Politik wird ja in Deutschland hauptsächlich an Stammtischen, Kiosken oder auch im Späti gemacht (für alle, die ab 18  Uhr immer zu Hause sind, der Späti ist eine Spätverkaufsstelle mit dem nötigen Überlebenssortiment für Spätaufsteher, also Bier, Snacks, Kaffee und Bockwurst). Hertas Späti liegt günstig in Dresden am Rand von ca. 20 gleichzeitig stattfindenden Demos, deren Inhalte natürlich über Besucher oder im Hintergrund zu hörende Sprechchöre in den Laden schwappen. Verhandelt werden Themen wie AfD, Genderproblematik, bedingungsloses Grundgehalt, Internet („Erst kommen alle Idioten zu Wort, dann alle Vollidioten“), Influencer*innen, Biodiversität (chinesische Wollhandkrabbe und marokkanischer Lappenrüssler), Fremdenangst („Dresden den Dresdnern, Pirnaer raus!“). Dabei schlüpfen die Darstellerinnen und Darsteller in verschiedenste Rollen, die präzise und überzeugend auf die Bühne gebracht werden, sei es die Esoterikerin Xin Xin Mohana oder die rockende Rentnergang auf Bestattungsvorbereitungstour. Manches gerät dabei, vor allem im ersten Teil, etwas zu didaktisch-erzieherisch, da sollte man den Zuschauern (das generische Maskulinum gilt hier gleichermaßen für Personen aller Geschlechter) mehr Freiraum zum Nachdenken und Selbstdraufkommen einräumen. Das Abschlusslied des sehr guten Programms aus der Sparte politische Satire fordert zum Mittun auf: Wo man schweigt, da rede, wo man geizt, da gib und wo Dunkelheit ist, da mache Licht. Auf diese letzte Zeile folgt ein Black. Kann man machen, für mich war es eher unfreiwilliger Humor. Und hier noch ein Spruch aus dem Programm: „Sorgen sind wie Nudeln, man macht sich immer zu viel.“ Um dieses Programm muss man sich keine Sorgen machen. Prädikat: Besonders empfehlenswert. (Matthias Schwarzmüller)

… über Reiner Kröhnerts „GeTwitterCloud“ (Pfeffermühle am 17.10.2021)

Ein Programm mit 20 Mitwirkenden, alle in persona von Reinert Kröhnert. Ohne jegliche Requisiten, ausgenommen die Perücke bei „Mutti“ und das Basecap bei Trump, schafft es Reiner Kröhnert über Gesten, Bewegungen und natürlich die Sprache, dass der Zuschauer teilweise bereits vor dem ersten Satz die parodierte Person erkennt. Besonders hervorzuheben sind die Dialoge zwischen Honecker und Hitler, die in einer gemeinsamen Hölle schmoren und nach anfänglicher Abneigung feststellen, dass sie sich gegenseitig für das Erreichte Respekt zollen müssen und beginnen, sich zu duzen. Genial waren die Talkrunden von Michel Friedman und Rüdiger Safranski zum einen mit Boris Becker, zum anderen mit Dieter Bohlen und dann auch noch mit Daniela Katzenberger. Insgesamt ein Feuerwerk an Pointen durch Wortspielereien, falsch eingesetzte Fremdworte und der Komik der dargestellten Personen an sich. Den schnellen Wechsel zwischen den Parodierten bei den Dialogen und überhaupt im Programm meistert Reiner Kröhnert spektakulär. Natürlich tauchen da auch noch einige Politiker auf, z. B. Gerhard Schröder, der sich für meine Begriffe sehr treffend zu den drei Kanzlerkandidaten  äußert. Leider oder zum Glück ist der Umfang meiner Rezension limitiert, so dass ich nichts mehr verraten kann/darf und Ihnen nur noch empfehle, genießen Sie das Programm. (AG)

… über Tim Fischer mit „Zeitlos“ (Kupfersaal am 17.10.2021)

Derer die Fischer heißen, gibt es im Lande viel, auch im Musikbusiness. Allerdings sollte man dies nicht im Kopf haben, geht man zur Bühne, die gleich TIM FISCHER betreten wird. Man wird mit schönster Eleganz, warmem oder klug-bissigem Charme und einer derart delikaten Stimme belohnt, dass man sich wünscht, die Show würde statt zwei Stunden, mindestens fünf dauern. Tim Fischer, erfolgreicher Chansonnier und Schauspieler verzaubert seit 30 Jahren und auch an diesem Abend sein reich erschienenes Publikum und schafft spielend, dass man verliebt ist in seine seelenvollen Interpretationen alter Lieder, lacht, über meisterhaft witzig dargebrachte Songs und freut sich über Neues, – frische musikalische Stücke als auch die Erweiterung seines Musikensembles. War man bisher eher die Intimität einer Pianobegleitung gewohnt, gehören nun auch Kontrabass und Schlagzeug dazu, – durchaus oft jazzig. In der ersten Programmhälfte schienen sich Künstler und Publikum wohlwollend, aber eher verhalten zu begegnen. In der zweiten Programmhälfte wuchs die Stimmung jedoch in bekannte Sphären: der Applaus nahm nicht ab, teilweise standing ovation, der Künstler hat seine Zuschauer mitgerissen wie immer, Zugaben und später Autogramme gegeben, – im Ergebnis ein grandioser, emotionaler Abend, der mir persönlich 100 Prozent Beschwingtheit schenkte. (Anja Kral)

… über den Eröffnungsabend mit Lisa Eckhart (academixer-Keller am 17.10.2021)

Wieder einmal wurde die Lachmesse mit der Verleihung des Leipziger Löwenzahns an die Vorjahressiegerin, diesmal  Lisa Eckhart, für das beste Programm des Vorjahres („Die Vorteile des Lasters“), eröffnet. Eckhart, seit drei Jahren auch Wahl-Leipzigerin, bot Kabarett auf höchstem Niveau. Sie suchte und fand schnell Kontakt zum Publikum ohne sich anzubiedern – bei Eckhart undenkbar, stellte Verbindungen zu aktuellen Ereignissen (oder sollte man schreiben „Vorkommnissen“?) in Leipzig her, und bezog kritisch bis provokant Stellung zur Geschichte und neuesten Zeitgeschichte unsere Landes, nicht zuletzt auch zu menschlichen Verhaltensweisen. Eckhart philosophierte nicht abstrakt, sondern hatte immer das Publikum im Sinn, um es zum Mitdenken herauszufordern. Dabei machte sie – und das sehr erfolgreich – deutlich, dass es ihr weniger um Lacher als um den Finger in der Wunde geht. Und das Publikum ging begeistert mit. Manchmal brauchte es allerdings einen Moment, wenn Eckhart fast grenzwertig provozierend an eben diese Grenzen ging. Ihre Liebe zu ironisch-satirischen Balanceakten zog sich durch das ganze Programm, wie auch ihre klare positive Position zu Toleranz, respektvollem Umgang miteinander und Bewahrung unserer Welt vor allen Gefahren. So war ihr Programm nicht nur ein humoristischer und intellektueller Hochgenuss, sondern immer auch eine Anregung und Aufforderung zum Überprüfen des eigenen Denkens und Handelns. (Ulrich Grüttner)

Das sagt die Publikums-Jury

Leipziger Löwenzahn 2020

Große Mehrheit für Lisa Eckhart

(06.11.2020) Mit großer Mehrheit wurde Lisa Eckhart von der Jury der Lachmesse zur Preisträgerin des Leipziger Löwenzahns 2020 gewählt: Statt sich im Kleinklein des Alltags festzureden, hat Lisa Eckhart in ihrem Programm „Die Vorteile des Lasters“ die Distanz gesucht, dann infrage gestellt, irritiert wie auch provoziert und entlang der sieben Todsünden über den Nutzen des Lasters geplaudert. Für die einen ein Gedankenkitzel, für die anderen ein aktuelles Zeitbild.

Die Lachmesse-Publikumsjury …

… über „Jugend forsch!“ (25.10.2020 Sanftwut)

Zum Abschluss der Lachmesse-Veranstaltungen trafen im Kabarett Sanftwut noch einmal vier Künstler*innen zusammen, die zur jüngeren Generation des Kabaretts gezählt werden dürfen. Zunächst kam aus dem Münsterland der Rucksack tragende Amjad auf die Bühne und witzelte treffend über die Tücken zwischen deutscher und arabischer Kultur. Sein großes Talent einer Donald-Duck-Imitation hat er erst ganz zum Schluss ausgepackt, davon gerne beim nächsten Mal mehr! Teil 2 an diesem Nachmittag übernahm Bella Lire, eine sympathische und wandelbare Frau aus Karl-Marx-Stadt, die so ziemlich jede Rolle einnehmen kann, von der kleptomanischen Berlinerin bis hin zu einer leicht abgedrehten Araberin. Zuguterletzt präsentierte sich das Bermuda Zweieck, ein Erfurter Duo, bestehend aus Fabian Hagedorn und Daniel Gracz am Klavier, das mit all seinem Charme, Witz und musikalischen Talent das Programm abrundete. Von allen gibt es hoffentlich in Zukunft noch mehr zu sehen und zu hören! (MH)

… über Archie Clapps „Scheiße, Schatz, die Kinder kommen nach Dir“ (24.10.2020 Central Kabarett, Blauer Salon)

Erziehungstipps von Archie Clapp sollte man nicht unbedingt befolgen. Über sie und all den anderen Quatsch, den der Berliner so von sich gibt, kann man aber herzlich lachen. Natürlich, sympathisch und lustig steht er auf der Bühne und erzählt von sich und seinen Kindern, von seiner Frau, dem Busfahrer und der Sozialarbeiterin. Dabei muss er nicht selten selber grinsen. Zaubern kann er auch noch und Kondome mit der Nase aufpusten. Als Kind, so erfahren wir, durfte er nur, wenn er krank war, Filme gucken. Wohin solche elterlichen Maßnahmen wohl führen? Seine Tochter haut ihm gegenüber heute Sprüche raus wie: „Stell keine Fragen, deren Antworten du nicht verkraftest!“ Wahrscheinlich ist sie hochbegabt. Wie Clapps Spezialgast Okan Seese, ein taubstummer Komikerkollege, auf seine Art und Weise. Er macht Witze mit Gebärden – ernsthaft. Und Archie Clapp übersetzt simultan. Verrückter Abend, viel gelacht! (BEH)

… über BlöZingers „Erich“ (23.10.2020 academixer-Keller)

Zu Gast bei den Academixern: BlöZinger, die Gewinner des deutschen Kleinkunstpreises 2019, das sind Robert Böchl und Roland Penzinger. Ich erwarte schwarzen Humor und Wiener (Linzer) Schmäh und passenderweise startet der Abend auf dem Friedhof. Erich, der Vater des ungleichen Brüderpaares, soll beerdigt werden. Die Trauergemeinde vervollständigen die tourettekranke Tante Trude, ihr Lach-Yoga-Guru Aschanti, der knasterprobte Onkel Alfons sowie die scheinheilige Tante Hertha mit ihrem schweigenden Gatten. Die beiden Komiker schlüpfen in diese Rollen mit perfekter Mimik und Gestik und wenigen Requisiten. Der Abend beginnt gemächlich, entwickelt sich jedoch dann zu einer herrlich schrägen, temporeichen und die Lachmuskeln strapazierenden Fahrt. Am besten sind die Momente, in denen die Protagonisten selbst nicht mehr wissen, wer sie gerade sind, und die Erkenntnis der Vielseitigkeit von Kaugummi. Im März gastieren BlöZinger wieder in Leipzig – nicht verpassen! (SB)

… über Michael Krebs‘ „#beyourselfie“ (23.10.2020 Moritzbastei)

Der bundesweit agierende „Independent“-Liedermacher Michael Krebs war sichtlich erleichtert, wieder vor Publikum auftreten zu können, auch „weil er süchtig nach Applaus ist“. Über sein Ego und menschliche Irrwege in der Coronazeit reflektiert er dann in den Anmoderationen auch etwas langschweifig im ersten Teil seiner Darbietungen. Sein beeindruckendes musikalisch-komödiantisches Talent kommt erst im zweiten Teil des Programms richtig zur Geltung, wo er auch die bekanntesten Eigenschöpfungen mit großer Hingabe präsentiert. Die auf guter Analyse menschlicher Handlungen und Eigenheiten wie der Egomanie beruhenden gehaltvollen Texte sparen eine sympathische Selbstironie nicht aus. Immer wieder hebt er dabei auf eigenwillige menschliche Verhaltensweisen in der gegenwärtigen Krisenzeit ab wie in dem großartig vorgetragenen Klopapiersong. In makaberer Ironie trägt er schließlich sein „Trostlied“ vor mit der Prophezeiung, „es wird alles nur schlimmer“. Die Zuhörer nehmen ihm das natürlich so nicht ab und gehen eher erheitert nach mehreren Zugaben von einem einprägsamen musikalischen Kabarettabend nach Hause. (JB)

über Roy Reinkers „Sketch Comedy mit Roy“ (22.10.2020 Sanftwut)

„Hat die Blume einen Knick, war der Schmetterling zu dick“, lässt Roy Reinker den niedlichen Zitronenfalter sagen, eine der Puppen, mit denen er das Kabarett Sanftwut rockt. Wir lernen noch das Original Siegfried (81) aus dem betreuten Wohnkomplex kennen sowie den grünen Drachen und den kleinen Kindergartenjungen, der gerade Läuse hat. Hohe Bauchrednerkunst kommt hier daher, sehr unterschiedliche Stimmen erzählen, meckern und lachen uns zu, interagieren mit Roy Reinker aufs Natürlichste. Die Themen und Gags sind sehr gut gewählt und mit den jeweiligen Puppencharakteren verflochten, der freche olle Siegfried ist schon der Knaller. Roy Reinkers eigene Bühnenpräsenz ist sympathisch und professionell, man wünscht ihm ganz viele Auftritte und eine überregionale Karriere. (AK)

Roy Reinker
Foto: Roy Reinker

über „Slam vs. Kabarett“ (22.10.2020 Kupfersaal)

Nr. 1: Wo die Grenze zwischen den Genres nun genau liegt, wurde bei „Slam vs. Kabarett“ tatsächlich nicht geklärt. Ist aber auch völlig egal, denn beide wussten auf ihre Art und Weise zu begeistern. Trotzdem konnte an diesem Abend nur ein Künstler die Flasche Leipziger Gin abgreifen. Für die Poetry Slammer traten in der ersten Runde Fabian Bublitz und Max Golenz an und sprachen über unangenehme Bewerbungsgespräche und die Schönheit der deutschen Sprache, wenn man sie doch auch mal wieder nutzen würde. Das Kabarett wurde vertreten durch die Wiener BlöZinger, die uns einen Einblick in die letzten Augenblicke vor ihrer Geburt gaben, sowie durch Jonas Greiner, der nicht nur wegen seiner Größe, sondern auch durch seine schlagfertigen Sprüche auffiel. Letzterer musste sich zwar in der Finalrunde letztendlich Max Golenz geschlagen geben, doch hier haben allenfalls Nuancen entschieden. Beide landeten einige Treffer beim Publikum. Man kann wirklich nur hoffen, dass sie schon bald auf größeren Bühnen wieder zu sehen sind. (MH)

Nr. 2: Tolles Konzept, großer Unterhaltungswert. Der erste Slammer, Fabian Bublitz, hat mich allerdings nicht überzeugt. Die negative Grundeinstellung seines Textes, obwohl handwerklich gut gemacht, hat mir nicht gefallen. Das Ablesen des Textes machte es nicht besser. Anders der zweite Slammer, Max Golenz. Durch den freien Vortrag sowie die Körperhaltung zum Publikum hat er dieses mitgenommen. Mit seinen Texten hat er sowohl Ältere als auch die Jungen erreicht. Vor allem der Text zur Sprache war sehr anspruchsvoll und dennoch amüsant. Die Entscheidung zwischen den beiden Kabarettisten war sehr schwer bis unmöglich. Die Nummer der BlöZinger, Gespräch von zwei Föten im Mutterleib, war sehr lustig und kurzweilig. Jonas Greiner fing seine erste Nummer mit dem Naheliegenden an, seiner Körpergröße – 2,07 Meter. Die Sprüche sind größtenteils bekannt, zumindest denen, die den „Normalbereich“ auch verlassen. Er bekommt aber zum richtigen Zeitpunkt die Kurve und wechselt in ein anderes Thema. Am besten gefiel mir sein Stück im Finale zur Abifahrt und dem Abiball, kurz und knackig erzählt mit guten Gags. (AG)

… über Lisa Fitz‘ „Flüsterwitz“ (21.10.2020 Pfeffermühle)

Was sagt man zur Grande Dame des Kabaretts? Das Programm ist einfach nur toll, aber nix zum Ausruhen. Wie Lisa Fitz am Ende auch feststellt, raucht das Gehirn, wenn man versucht, jedem ihrer Gedankengänge zu folgen. Es gibt wahnsinnig viel Input zum Thema Meinungs- und Gedankenfreiheit, den Lisa Fitz auf eine sehr charmante und eloquente Weise an die Frau bzw. den Mann bringt, auch bei den Gesangseinlagen, bei denen sie stimmlich überzeugt und ebenfalls sehr gut zu verstehen ist. Gegen Ende des Programmes stellte ich mir die Frage, wie sie ihr Publikum mit den vielen offenen Fragen, die sie im Laufe des Abends aus allen Winkeln betrachtet, aber nicht beantwortet, entlassen will. Die Antwort kam mit der „Zugabe“, dem Song vom Kamel! Für mich die beste Lösung, dem Gehirn zunächst eine Pause zu gönnen und dann mit Abstand die Denkanstöße wieder aufzunehmen. (AG)

… über Desiree Nicks „Die letzte lebende Diseuse – Blandine Ebinger“ (21.10.2020 Kupfersaal)

Ach, die Desiree Nick, entweder man liebt oder hasst sie. Beide Lager müssen jedoch zugeben: „Oberdiva“ kann sie, und wer sie liebt, durfte sie als solche erleben in exzellenter Reinkultur. Spitzzüngig und bissig, bis weit unter eine Gürtellinie schwatzt sie über ihre Mitmenschen, Corona, das Altern, den Sex, ihren Job und steht dabei in zuerst weißem Fummel mit Engelflügelboa und im zweiten Teil in schwarzem, glitzernden Knappoutfit vor uns. Natürlich steht ihr das ausgezeichnet und sie ist kokett. Nicht zuletzt passt ihre Äußerlichkeit auch zum musikalischen Programm der Chansons aus den 1920er Jahren, das sie mit Bravur meistert, sowohl stimmlich als auch im Darstellen der Liedtexte, so komisch, sexy, verrückt zumeist.
Es ist ein Fest, ihr zuzuhören, wenn sie bar jeglicher moralischer Etikette oder unter Verletzung des allgemeingültigen guten Geschmacks Dinge oder Personen beschreibt – diese Härte allein bringt Lachen hervor. Zumeist folgt einer Grenzüberschreitung dann sogar eine weitere, manchmal kommt der erste Lachimpuls dann aus Ungläubigkeit: Wie kann sie nur…? Das Krasse ist jedoch: Sie hat meistens recht, sie hat trotz aller Direktheit Charme, da sie intelligent und ehrlich ist und über sich selbst ebenso gnadenlos schwadroniert. Den besten Humor verbreiten immer noch die Leute, die über sich selbst lachen können und zwar zusammen mit anderen. Alle Daumen hoch und bei nächster Gelegenheit Programm nicht verpassen! (AK)

… über die „Big Helga“ der Oderhähne (21.10.2020 Funzel)

Nr. 1: Dagmar Gelbke und Wolfgang Flieder haben eine kabarettistische Hommage auf die große Komödiantin, Schauspielerin und Entertainerin Helga Hahnemann präsentiert. Als langjährige jüngere Bühnenpartnerin Helga Hahnemanns ist vor allem die vitale Dagmar Gelbke dafür prädestiniert. Sie imitiert auch schauspielerisch gekonnt die Hahnemann, insbesondere mit deren gesanglichen Highlights. Wolfgang Flieder bleibt dabei oft nur die Rolle des Mitgestalters, in die er sich im Programmverlauf aber zunehmend überzeugender einbringt. Helga Hahnemann selbst verzichtete bei allem Können nie auf einen gewissen Klamaukfaktor, der allerdings in diesem Programm mit einer angedeuteten Stripteaseeinlage in Cancan-Position etwas überzogen wirkt. Fotoeinblendungen dokumentieren die wichtigsten Etappen dieses ungewöhnlichen Künstlerlebens und verdeutlichten die Intensität, mit der sich Helga Hahnemann ihrem geliebten Beruf gewidmet hat. Ihre zahlreichen Fans im Zuschauerraum honorierten die Darbietung der Oderhähne mit lautem Beifall. (JB)

Nr. 2: Eine Hommage an Helga Hahnemann – jeder, der sie aus dem TV kannte und wenigstens ein wenig mochte, wird begeistert sein. Dagmar Gelbke ist die ehemalige Bühnenpartnerin von Henne, und zusammen mit ihrem jetzigem Bühnenpartner Wolfgang Flieder holt sie uns ein Stück von der guten alten Zeit zurück. Helgas Sketche werden nachgeturnt, -gespielt, -gesungen, -getanzt, auch verändert. Es wird geschimpft, geträumt, geliebt, geweint, gelacht und Mut gemacht – dabei machen unzählige, originelle Kostümwechsel das Ganze perfekt. In den wenigen kurzen Verschnaufpausen für die Künstler gibt es besondere Ausschnitte aus Helgas Fernsehschaffen als Video. Für das Publikum gibt es kaum Verschnaufpausen – keine Zeit für Langeweile, heimlich auf Uhr gucken, zur Toilette schleichen, stattdessen zwei Stunden fesselnde Unterhaltung. Man spürt, hier wird kein Programm abgespult, hier sind die Künstler mit dem Herzen dabei – mit einem Stück, welches seit Jahrzehnten gespielt wird! Einfach KLASSE. Eine großes Danke für die schöne Zeit – und die Message an alle Menschen „Een kleenet Menschenkind …“ (Hit von Helga Hahnemann, gern mal anhören). (HBB)

www.lachmesse.de

Sensation beim „Kupferpfennig“

Alle drei unter den ersten zwei!

Von den drei Teilnehmern und Teilnehmerinnen dieses heute (21.10.) im academixer-Keller ausgetragenen Lachmesse-Newcomer-Wettstreits kamen alle unter die ersten zwei! Andrea Limmer und Sven Garrecht teilten sich Platz 2, während Jonas Greiner aus der „Glasaugenstadt“ Lauscha Platz 1 allein belegte. Garrecht hatte die besten und unerwartetsten Reime zu bieten, Limmer die quecksilbrigste Ausstrahlung, aber Greiner plauderte einfach am schnellsten, am meisten und am lustigsten.

Frisch und frei moderierte Christoph Walther (Zärtlichkeiten mit Freunden), von dem auch die Zuschreibung „Glasaugenstadt“ stammt, Anke Geißlers (academixer) Urgroßmutter schob den Altersdurchschnitt lustig nach oben und die Ur-Krostitzer Brauerei zeigte lobenswert-sympathisches Engagement für den Kabarett-Nachwuchs.

www.lachmesse.de

Matthias Deutschmann
Foto: Anja Limbrunner

Corona verhilft der Notwehr zur Premiere

Matthias Deutschmann am 22. Oktober bei der Leipziger Lachmesse

Darf man dem Schlechten etwas Gutes abgewinnen? – Die Corona-Krise hat den Betrieb im Düsseldorfer Kommödchen lahmgelegt. Das bedeutet unter anderem, dass Matthias Deutschmann dort nicht wie geplant auftreten kann. Die Planung für Leipzig hingegen hat Bestand, und so dürfen unsere Stadt und die seit gestern laufende Lachmesse die Deutschlandpremiere des neuen Programms „Notwehr für Alle“ feiern!

Über Mangel an Themen müsse sich heute kein Satiriker beklagen, meint Matthias Deutschmann. Nur lägen sie nicht mehr auf der Straße, sondern flögen uns um die Ohren. Der Badener ruft „Notwehr für Alle“ aus. Den Ernstfall dazu möchte man sich nicht vorstellen, zumindest nicht im echten Leben. Auf der Bühne allerdings wird’s interessant!

Cello, Schach, Olympia

Vor allem wenn einer wie Deutschmann mit vier Dekaden Erfahrung im Rücken der „Lust am Untergang“ von der Schippe springt. 1979 gründete er das Kabarett „Schmeißfliege“, zehn Jahre später mauserte er sich zum Solisten. Programme mit vielsagenden Titeln wie „Blinder Alarm“, „Einer flog übers Grundgesetz“ oder „Amokkoma“ folgten, und das Cello wurde zum ständigen Begleiter auf der Bühne.

Apropos Cello (und OBM Tiefensee + Olympia): 2002 hielt der einst selbst aktive Spieler Deutschmann die Festrede zum 125jährigen Bestehen des Deutschen Schachbundes. Die Feier fand im Neuen Rathaus in Leipzig statt! Damals bewarb sich unsere Stadt noch um die Ausrichtung der Olympischen Spiele 2012 und beschenkte alle Festakt-Teilnehmer mit einer Medaille aus Meißner Porzellan …

Leipziger Löwenzahn

Fünf Jahre darauf „beschenkte“ die Lachmesse den Kabarettisten mit dem Leipziger Löwenzahn. „Noch nicht reif und (doch) schon faul“, fühlt sich der nicht mehr jugendliche Bühnenkünstler bis heute. Im gleichnamigen Buch kann man es nachlesen. Alles gut und schön, was aber bringt „Notwehr für Alle“? Hochaktuelles politisches Kabarett – mit Analyse, Diagnose, Erkenntnisgewinn und Lachen!

„Es ist ein Jubiläumsprogramm, denn mittlerweile stehe ich seit 40 Jahren auf den Bühnen dieser rumorenden Republik der Komiker“, sagt der Meister selbst.

Matthias Deutschmann: Notwehr für Alle
22.10. 20 Uhr academixer-Keller

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Die Lachmesse-Publikumsjury …

… über Alte Mädchen (20.10.2020 academixer-Keller)

Nr. 1: Warum soll ich mir das antun? Fast jeder, der objektiv mit der Realität umgeht weiß, was Älterwerden bedeutet – das ist nichts für Feiglinge. Wozu dann ein Programm „Alte Mädchen“? Weil die drei „Mädels“ uns mit viel Humor zeigen, wie man diese Lebensphase anpackt – die Dinge, die man nicht ändern kann, akzeptiert, und erkennt: Das ist die beste Zeit meines Lebens (Phrase, aber is nu mal so). Natürlich können sie gegen die kleinen Gemeinheiten unserer Umwelt und den natürlichen Verfall keine Lösung empfehlen, aber hier lernst Du zu glauben, dass vieles gar nicht so schlimm ist. Wie im wahren Leben vergeht bei dem Programm die Zeit im Flug – es wird gelacht, deutlich auf deutsch gesungen, geklatscht, Sekt getrunken, zu viel gegessen, auch mal gelästert, gestritten, geweint – und getröstet. Eine Empfehlung für alle Betroffenen und die, die es mal werden wollen! Und bringt auch Eure Männer mit. Das wäre ein Schritt gegen die natürliche Abneigung gegen Männer – nicht nur im Bett – dann wird’s auch besser mit dem Scheißkerl-Tourette-Syndrom. (HBB)

Nr. 2: Drei flotte Damen im zweiten Frühling vom Pop-Kabarett aus Hamburg („Alte Mädchen“ ist eine humorige, karikative Untertreibung) zeichnen ein schnoddriges, tabufreies und teilweise sehr frivoles Psychogramm ihrer Altersgruppe. Da wird an Wunschvorstellungen, Gefühlswallungen und Befindlichkeiten nichts ausgespart. Doch es gibt auch nachdenkliche, leisere Passagen. Die Texte sind pointenreich und geschliffen, selbst wenn gelegentlich gekalauert wird. Mit komödiantischer Professionalität und gekonnter musikalischer Untersetzung wird das Ganze dem zumeist weiblichen Publikum präsentiert. Es applaudiert besonders bei Gesangsdarbietungen und Soloauftritten und nimmt die altersrelevante Selbstironie offenbar in keinster Weise übel. Das beweist auch die lautstark eingeforderte Zugabe, die den vergnüglichen Auftritt abrundet. (JB)

Nr. 3: Ich fand das Programm gut. Es behandelt die Themen der „alten“ Mädchen mit einem Augenzwinkern. Für Männer führen einzelne Teile des Abends unter Umständen zum Fremdschämen bzw. stoßen auf Unverständnis. Der Übergang in und aus den zwei nachdenklichen Passagen wurde für meine Begriffe sehr gut gemeistert. Die drei Damen haben sehr gute Stimmen, die Gesangseinlagen waren sehr gut zu verstehen. Durch die Präsenz der Drei auf der Bühne wurde ich von Anfang an mitgenommen. Langweile kam nicht auf. (AG)

… über A.F. Hofmeirs „Kein Aufwand“ (20.10.2020 Moritzbastei)

Hofmeir plaudert, liest und tubistet uns einen heiteren Abend zusammen, leicht und flockig, in bayrischem Dialekt. Mundart wird erklärt und übersetzt, dies sorgt schon für Erheiterung und zusätzlich Geschichten aus seinem Leben im Buch „Kein Aufwand“, erschienen 2016 bei btb. Fans von LaBrassBanda sitzen im Publikum, mit dem Hofmeir gerne direkt über alles Mögliche small-talkt, die Stimmung ist gut. Grandiose musikalische Beiträge per Tuba gibt es zahlreiche, ebenso grandios begleitet am Klavier von Tim, auf dessen Kosten der ein oder andere Gag geht. Jedes Musikstück ist ein „brasilianisches Liebeslied“, eins davon übrigens aus Ungarn mit dem Titel „Since you left“… (AK)

Alexey Mironov
Foto: Bert Hähne

… über Alexey Mironovs „Bon Voyage“ (20.10.2020 Central Kabarett)

Bevor uns Alexey Mironov mitnimmt auf seine Reise durch die Tücken alltäglicher und nicht ganz so alltäglicher Situationen, werden wir während ein paar einleitender Worte schon darauf vorbereitet, dass er einer der Künstler sei, die mit wenig gesprochenem Wort auskommen. Und in der Tat, bei so viel Mimik und Gestik, wie er auf die Bühne mitbringt, braucht es nicht viel Sprache und Requisite, sondern manchmal nur seinen unsichtbaren Bühnengast „Markus“, der uns seine beste Pantomime präsentiert. Und wenn der Clown Mironov doch etwas sagt, dann lacht das Publikum z.B. über seinen tollpatschig liebenswerten Ukulele-Spieler, der zwar nicht so gut mit der Ukulele umgehen kann, dafür aber so fließend Spanisch spricht, dass auch Muttersprachler so ihre Probleme hätten. (MH)

… über „Das Letzte aus den besten 6 Jahren“ von Zärtlichkeiten mit Freunden (19.10.2020 Sanftwut)

Das Programm hatte gute Gags, z.B. das am Hochhaus in Grünau unten stehende Kind, dem gesagt wird, dass der Kumpel nicht runterkommen darf, weil er das Falsche geklaut hat, oder die Ausführungen zum Radioprogramm, bei denen der Kabarettist immer mehr ins Sächsisch verfällt. Leider waren die Übergänge zwischen diesen Gags oft langatmig. Einen roten Faden gab es nicht. Gut haben Zärtlichkeiten mit Freunden die technische Panne des fehlenden Tons am Anfang pariert. Leider war aber im weiteren Programm dennoch einiges nicht gut bis nicht zu verstehen. Leider gab es kaum bis keine Interaktion mit dem Publikum. Wenn dann schrappte diese knapp an der Beleidigung. Alles in allem hatte die Truppe ihren Programmtitel wohl zu wörtlich genommen. (AG)

… über Chin Meyers „Leben im Plus“ (19.10.2020 academixer-Keller)

Das Publikum war begeistert von einem heiteren, witzigen, aber auch sehr anspruchsvoll intelligentem Programm. Vermeintlich ernste Themen vermag Chin Meyer einfach, aber sehr unterhaltsam zu vermitteln. Qualitätsvolles politisch-satirisches Kabarett. (RM)

… über Matthias Reuters „Wenn ich groß bin, werd‘ ich Kleinkünstler“ (19.10.2020 Moritzbastei)

Nr. 1: Groß ist er geworden und Kleinkünstler, weil er Germanistik studiert hat und die Fahrkünste nicht für den Taxischein reichten. Ein Glück! Auch, dass er es aus dem Risikogebiet Ruhrpott zu uns geschafft hat. Leider ist aufgrund der Corona-Bestuhlung nicht erkennbar, wie viele Besucher da sind und sich gemeinsam mit mir amüsieren über den Blues vom NRW-Abitur und dessen honorige Absolventen Pofalla und Lütke-Daldrup; einen aberwitzigen Dialog unter Jugendlichen auf dem Düsseldorfer Bahnhof oder dem in wunderbarem Dialekt vorgetragenen Song über russische Hacker. Reuter entlässt uns nach diesem kurzweiligen Programm in die kühle Leipziger Nacht mit dem Zitat seiner Ärztin: “ Wenn Sie einen Beruf hätten, würde ich Sie krankschreiben.“ Wenn er wieder nach Leipzig kommt, würde ich nochmal hingehen. (SB)

Nr. 2: Matthias Reuter ist wirklich nicht besonders groß, aber hiermit ist nur die Körpergröße gemeint. Seine Ausstrahlung ist groß! Daher ist er schon jetzt ein sehr, sehr vielseitiger Kleinkünstler. Gleich zu Beginn bringt er das Publikum mit einem eher banalen Witz über das Maskentragen zum Schmunzeln und öffnet alle Türen für einen unterhaltsamen, lustigen Abend. Es folgt ein live gespieltes Kabarettprogramm über aktuell-politische Themen und persönliche Erlebnisse, verpackt in grandiose Wortspiele. Seine Songs begleitet er selbst mit Klavier und Gitarre. Unterhaltung auf hohem Niveau für jung und alt! (HBB)

… über Justus Krux‘ „Kommste noch auf ’nen Kaffee mit hoch“ (19.10.2020 Pfeffermühle)

Justus Krux stellt sich als Jurist vor und uns amüsante Fälle aberwitziger Rechtsprechung hierzulande, entwirft uns seinen Blick auf das aktuelle Zeitgeschehen, betrachtet Personenkreise wie Informatiker, Exfrauen und Richter und erzählt hierzu seine Interaktionen, sehr charmant und witzig. Wir hören das Leben als ewige Vertragssituation, schon beim Brötchenkauf, die Anwendung von Paragraphen auf Menschen, die nicht nur möglich, sondern auch erstaunlich zutreffend sein kann, sowie Tipps zur Straffreiheit und Flucht – anhaltendes Schmunzeln garantiert.

Am besten gefallen haben mir Krux´ „Sprachperlen“. Einerseits im antiquierten Juristendeutsch des BGB, welches seit 1900 gilt, begründet, andererseits durch Aufmerksamkeit gegenüber Widersprüchen und Gegenteilen innerhalb Begriffen und Redewendungen deutscher Sprache aufgedeckt, serviert uns Krux´ einige sprachliche Leckerbissen, die das gesamte Publikum in große Erheiterung versetzte. Krux agiert nicht als schräger Innovationskünstler, sondern unterhält solide und sachlich durch Wortwitz und intelligent-juristischen Blick auf die Welt. Man bleibt während des zweistündigen Programms aufmerksam bei ihm, seine Einladungen zum Lachen gelingen. (AK)

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Lachen, bis der Lockdown (hoffentlich nicht) kommt

Leipziger Lachmesse eröffnet

Die 30. Leipziger Lachmesse ist offiziell eröffnet! Am heutigen Sonntagabend (18.10.) fegte Carmela de Feo durch den academixer-Keller und nahm den 2019er Löwenzahn, den Preis der Leipziger Lachmesse, aus den Händen von Laudator Matthias Reuter und Mitgastgeberin Anke Geißler entgegen. De Feo überzeugte bei der Gelegenheit wie schon im Vorjahr mit Haarnetz, Akkordeon und Selbstironie, mit Schlagfertigkeit, Witz und Gesang. Und während ihr der Laudator klavierspielend eine Hymne widmete, tanzte sie auch noch Ballett.

Ab sofort geht es nun um den 2020er Löwenzahn, die Jury schwärmt aus. Gut 110 Aktive stehen bis nächsten Sonntag in circa 70 Veranstaltungen auf verschiedenen Leipziger Bühnen. Sie und ihr Publikum hoffen in diesem Jahr ganz inständig und besonders, dass Lachen wirklich gesund und der Spruch nicht bloße Behauptung ist.

Nieslbrieme und Legenden

Bereits am heutigen Vormittag hatten sich Tom Pauls & Freunde über die Sächsischen Worte des Jahres 2020 ausgelassen (u.a. Nieslbriem für einen unbeholfenen und/oder mürrischen Menschen und Schnudndeggl für die Mund-Nasen-Maske). Und um 15 Uhr trafen sich in der Pfeffermühle die Kabarettlegenden Manon Straché, Burkhard Damrau und Thomas Freitag zum herzerwärmend-amüsanten Gespräch mit Meigl Hoffmann.

Orte des Geschehens waren, sind und werden sein die fünf Kabarettbühnen der Stadt: academixer-Keller, Central Kabarett, Funzel, Pfeffermühle und Sanftwut. Hinzu kommen die vier ebenfalls zentral gelegenen Spielstätten Moritzbastei, Haus Leipzig, Kupfersaal und Krystallpalast Varieté. Fünf + vier also, beinahe fünf + fünf, denn das Schauspielhaus wäre ebenfalls dabei gewesen, allerdings wurde die „Ur-Krostitzer Lachmesse-Gala“ auf 2021 verschoben.

Ensembles und Neuentdeckungen

Die Leipziger Ensembles führen ihre Neuheiten auf und haben ähnlich gestrickte Formationen wie die Frankfurter Oderhähne oder die Magdeburger Zwickmühle mit deren Neuheiten zu Gast. Genretypisch sind jedoch die Einzelkünstler und Soloselbständigen stärker vertreten, Lisa Eckhart, Lisa Fitz und Gisela Oechelhaeusser zum Beispiel oder Matthias Deutschmann, Wladimir Kaminer und Tobias Mann.

Neuentdeckungen und Außenseitererfolge wiederum machen Formate wie der „Kupferpfennig“-Wettstreit, „Slam vs. Kabarett“ und „Jugend forsch“ möglich. Als Geheimtipp mit der grenzüberschreitendsten Anreise gelten BlöZinger aus Wien.

„Maske off bis zum Platz“

Die Hoffnung ist groß, dass in der kommenden Woche allein das Lachen ansteckend wirkt und sich die Ministerpräsidenten mitsamt der Kanzlerin nicht allzu schnell auf einen zweiten Lockdown einigen müssen. Lassen Sie uns optimistisch bleiben und in Anlehnung an die alte Weisheit „Mütze ab im Schulhaus“ die neue Weisheit „Maske off bis zum Platz“ praktizieren. Off ist dabei nicht englisch gemeint, sondern sächsisch, Ihr Nieslbrieme!

Zuguterletzt dankt die Lachmesse all ihren Förderern und Sponsoren sowie allen Beteiligten und Besuchern herzlich für die systemrelevante Unterstützung!

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Pfeffermühle
Foto: Bert Hähne

Legenden in der Pfeffermühle

Die Publikumsjury schaut hin

Schon vor der offiziellen Eröffnung der Lachmesse, am Sonntagnachmittag (18.10.), saßen in der Pfeffermühle Legenden auf dem Sofa. Gastgeber Meigl Hoffmann talkte nacheinander mit Burkhard Damrau, Manon Straché und Thomas Freitag (der der Lachmesse seit 1992 die Treue hält!). Das Publikum hörte gerne zu, wie Damrau, an der Ostsee aufgewachsen, von seiner Beobachtung der jeweils siebenten Welle erzählte und davon, dass er diesbezüglich Jahre später durch den Film „Papillon“ Bestätigung erfuhr. Straché begeisterte u.a. mit ihrer Erinnerung an ein Treffen mit Udo Jürgens (im Saal: Münder offen, Tränen gelacht) oder der Meinung ihrer Naunhofer Oma zu Ehemann Nr. 1: „Ist der hässlich …“ Und Freitag gewann die Herzen mit Alt-Politiker-Parodien und seinem Interesse am Osten. Tolle Leute! Tolle Show!

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Lachmesse 2020
Foto: Bert Hähne

Jazz und Witze oder Alles, was komisch ist

Die 30. Leipziger Lachmesse beginnt

Fragt man junge Leute nach ihren Vorstellungen von Kabarett, kann man Antworten wie diese bekommen: „Die spielen Jazz und erzählen Witze.“ Das ist beileibe nicht falsch, wenn auch sehr stark komprimiert. Fragt man die Veranstalter der Leipziger Lachmesse, hört man: „Alles, was komisch ist, alles, was Lachen erzeugt, wollen wir zeigen.“ Das reiche vom Musikkabarett über clowneske Comedy bis hin zur Bauchrednerei. Im Mittelpunkt aber soll Leipzig als Kabarettstadt stehen mit seinen Stärken Ensemblekabarett und politisches Kabarett. Künstlerinnen und Künstler von außerhalb eilen herbei mit ihren aktuellen Programmen.

Die Lachmesse präsentiert Kleinkunst auf ihrem neuesten Stand und ist dabei der gesellige Treffpunkt von Publikum und Bühnenleuten. Hier wird das Alte bewahrt („Legenden“, 18.10. Pfeffermühle) und gleichzeitig Neues herangezogen („Kupferpfennig“, 21.10. Academixer, „Jugend forsch“, 25.10. Sanftwut). Hier sind große Namen zu erleben sowie Überraschungen und Entdeckungen zu machen. Hier wird mit Vielfalt überzeugt und der Charme der kleinen Bühne gefeiert. Verbindend ist das Lachen. Nebenbei stärken die acht Tage im Oktober das Zusammengehörigkeitsgefühl der Leipziger Kabaretthäuser. Academixer, Central Kabarett, Funzel, Pfeffermühle und Sanftwut – sie alle zusammen sind die Gastgeber der Lachmesse. In diesem eigenartigen Corona-Jahr läuft das Ereignis übrigens zum 30. Male – ab 18. Oktober. Es gibt eine Straße des 18. Oktober in der Stadt, vielleicht auch irgendwann eine Straße der Lachmesse.

Und gleich noch etwas mit Zahlen: Vor hundert Jahren begannen die Goldenen Zwanziger, eine hohe Zeit der Kleinkunst. An die knüpft die Lachmesse ab sofort an, diesmal ganz konkret mit Desiree Nick und deren Abend über Blandine Ebinger, die übrigens die Muse von Friedrich Hollaender (u.a. „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“) gewesen ist. Offiziell eröffnet wird die Lachmesse am 18. Oktober um 19 Uhr mit der Verleihung des Leipziger Löwenzahns an Carmela de Feo im Keller der Academixer. Den Schlusspunkt setzt Lisa Eckhart am 25. Oktober, ebenfalls um 19 Uhr, im Haus Leipzig mit ihrem Programm „Die Vorteile des Lasters“.

Weitere Höhepunkte und Einzelheiten, Termine und Informationen finden Sie unter www.lachmesse.de

Foto: Olli Haas